Auditive nächtliche Belästigung

Das Gehirn ist sehr gut darin regelmäßige und konstante Umgebungsreize vor der bewussten Wahrnehmung auszublenden. Diese Fähigkeit schafft sowohl die Möglichkeit neuere, und somit voraussichtlich aktuell wichtigere, Reize schneller wahrnehmen zu können, als auch die Herausforderung schlafstörende Reize zu lokalisieren.

Frau versteckt ihren Kopf in einem Kopfkissen während des Schlafens

Arten von schlafstörenden Reizen

Es ließen sich viele Einzelreize aufzählen, die den Schlaf stören. Alle Reize lassen sich den jeweiligen Sinneskanälen zuordnen. Somit stören haptische, auditive, olfaktorische, gustatorische und visuelle Reize den Schlaf, ebenso wie die Thermorezeption.

Im Schlafzimmer dürften alle Kanäle ähnlich konstante Bedingungen vorfinden, da sich Umgebungsgeräusche, Einrichtung, Gerüche und Temperatur im Normalfall eher selten verändern.

Der Selbsttest

Ein Selbsttest zeigt die Abstumpfung des Gehirns gegenüber Geräuschquellen im Schlafzimmer. Gehen Sie tagsüber in ein anderes Zimmer und schreiben Sie alle Geräusche auf, die Sie abends in Ihrem Schlafzimmer zu hören glauben. Legen Sie sich folgend abends bewusst in Ihr Bett und ergänzen Sie diese Liste um die Geräusche, welche Sie tatsächlich nächtlich beschallen. Sie werden überrascht sein, was Sie bis dato nicht mehr bewusst gehört haben!

Natürliche Alertness

Diese nächtliche auditive Belästigung wirkt sich negativ auf Ihre Schlafqualität aus, da der Körper auf Einsatzbereitschaft bei bedrohlichen oder (vermeintlich) relevanten Geräuschen programmiert ist. Somit wecken diese Geräusche das Gehirn auf, beziehungsweise halten es in permanenter Einsatzbereitschaft. Dies ermüdet anstatt zu regenerieren. Ein Beispiel für das intensive Scannen des Gehirns nach relevanten oder bedrohlichen Signalen ist der Cocktailpartyeffekt.

Der Cocktailpartyeffekt

Während eines Gesprächs blendet das Gehirn irrelevante Gespräche auf einer Cocktailparty oder anderen Anlässen mit vielen parallel verlaufenden Gesprächen aus. Wird jedoch bei einem anderen Gespräch über Sie gesprochen oder über ein anderes relevantes Thema, dann nehmen Sie dieses vorher ausgeblendete Gespräch nun bewusst wahr und können reagieren. Das ist der sogenannte Cocktailpartyeffekt.

Schlaftypen: Der Stein. Die Schreckhafte.

Bezüglich der Alertness lassen sich interpersonelle Unterschiede erkennen. Die alltägliche Beobachtung zeigt, dass man die Bevölkerung in unterschiedliche Schlaftypen einteilen könnte. Scherzhaft böten sich als Extreme der Skala die Typen „der Stein“ und „die Schreckhafte“ an, da Männer eher zum festen Schlaf neigen und Frauen gerne von leichterem Schlaf berichten. Es ist unsicher, ob sich diese Trennung bei einer wissenschaftlichen Untersuchung bewahrheiten würde, aber unabhängig vom Geschlecht unterscheiden sich Menschen im Allgemeinen in der Schlaftiefe.

Auswirkungen von auditiver nächtlicher Belastung

Auditive nächtliche Belastungen unterscheiden sich nicht von anderen Schlafstörern. Schlaf ist als Regenerationsphase extrem wichtig und jegliche Unterbrechung oder Störung vermindert den Erholungseffekt oder kann im Extremfall diesen derart senken, dass sich gesundheitliche Schäden zunächst schleichend entwickeln und in der Folge lebensbedrohend potenzieren!

Geräuschquellen und Gegenmaßnahmen

Die Vielfalt möglicher störender Geräuschquellen ist schier unbegrenzt, da sie je nach Einrichtungssituation und Lage des Schlafzimmers variiert. Bei der Lokalisierung selbiger Geräuschquellen hilft es die Konzentration auf brummen, punktuelle Geräusche, fiepsen und permanente Geräuschkulisse zu richten. Technische Geräte innerhalb des Schlafzimmers lassen sich leichter entfernen als knarzende Böden oder externe unkontrollierbare Geräuschquellen. Im Extremfall lohnen sich bauliche schallreduzierende Maßnahmen, die in Tonaufnahmestudios oder HNO-Praxen Anwendung finden. Vorhänge beziehungsweise Stoff im Allgemeinen können Schall bedingt „schlucken“, was störende externe Geräusche dämpfen kann. Eine eher unangenehme alternative Schutzmaßnahme wären Gehörschutzstöpsel.

Fazit

Die optimale Gegenmaßnahme wäre das Eliminieren von Störgeräuschen. Sofern dies keine Option ist, muss eine Reduktion der Störgeräuschstärke angegangen oder die Flucht in ein anderes Zimmer akzeptiert werden. Die Alternative sind schleichende sich aber stetig potenzierende gesundheitliche Schäden.